Die Taufe

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Ann Patchett

Ein amerikanischer Familienroman der besonderen Art. Um die fünfzig Jahre begleiten wir die beiden (Ex)Paare Keating und Cousins und deren Kinder. Klar in der Sprache, unaufgeregt und leise, trotzdem wird man ganz schnell in den Bann der Geschichte gezogen. Sie kommt völlig ohne hochgepuschte Dramen aus, obwohl es wahrlich genug davon gegeben hat in diesem mehr als halben Jahrhundert.

Als Leser steigt man ein mit der Taufe von Franny Keating. Albert Cousins ist als ungeladener Gast dieses Festes der Auslöser für alle weiteren Veränderungen im Leben der beiden Familien.

Dann, einmal umgeblättert, und schon befinden wir uns im nächsten Kapitel um die 50 Jahre später, dies jetzt aus der Sicht von Franny. In der Unterhaltung mit ihrem Vater Fix erfahren wir die ersten bruchstückhaften Details, wie sich das Familienleben nach dieser schicksalshaften Tauffeier weiter entwickelt hat.

Danach geht es wieder zurück in die Zeit ihrer Kindheit, als sich die sechs Geschwister und Stiefgeschwister zwangsläufig miteinander beschäftigen mussten, da sie immer die Sommerferien zusammen verbracht haben. Im nächsten Kapitel befinden wir uns bei Franny im Studenten-Alter, als sie in einer Bar arbeitet und den Schriftsteller, welcher mit seinem Roman das spätere Wiedersehen unter den Stiefgeschwistern auslöst, zufällig kennenlernt. So erleben wir in immer wieder völlig unterschiedlichen Episoden die Entwicklung der Familien mit, bis ins hohe Alter der Eltern.

Jede Figur ist sowohl verkorkst als auch menschlich, ihre Handlungen sind völlig wertfrei geschildert. Und gerade durch das einteilen der Kapitel in einzelne, nicht zwingend zusammenhängende Geschichten über diesen langen Zeitraum werden einfache, banale Ereignisse übersprungen, die wirklich wichtigen Dinge im komplizierten Familien-Konstrukt jedoch sehr bildlich und detailreich beschrieben.

Auch wenn die Zeitsprünge, die nicht chronologische Reihenfolge und die wechselnden Erzähl-Perspektiven im ersten Moment verwirren, so macht doch das die Geschichte ganz besonders.

Mit jedem neuen Kapitel taucht man schnell ein in eine neue, wieder völlig andere Welt. Dank der gut durchdachten Struktur jedoch lässt uns die Autorin nie die Orientierung verlieren.

Absolut gelungen, sprachlich lebendig und sehr empfehlenswert. 5 Sterne.

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