Läuft da was?

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Judith Pinnow

Annabel ist eine Frau Ende Dreißig mit Mann und drei Kindern, eine Bilderbuch-Familie im Hexenhaus, Fernseh-Moderatorin – und jetzt, nach der Familienzeit, möchte sie beruflich nochmal richtig durchstarten. Dumm nur, dass der Produzent etwas Jüngeres sucht, mit der Begründung, dass der Sender sich verjüngen will. Es sei denn… sie „lässt was an sich machen“, da sie nun mal einfach die Beste bei den Probeaufnahmen war. Nun wird Annabel erst recht bockig.

Ihren Ehemann Tom, ein ganz erfolgreicher Seriendarsteller, kann das Alter nichts anhaben. Lässig pragmatisch wandelt er durchs Leben und wirkt unerschütterlich zufrieden.

Ihre Freundin Sarah hat ganz andere Probleme: deren Ehemann Andi hat sie wegen einer 24jährigen verlassen und scheint plötzlich verjüngt und glücklich wie nie. Sie bleibt, schwer enttäuscht, mit den beiden Kindern zurück.

Und dann ist da noch Kerstin, schon seit dem zweiten Lebensjahr ihrer Tochter alleinerziehend, da ihr Mann sie wegen einer -immerhin bereits- 28jährigen verlassen hat. Sie hat sich jedoch nun, einige Jahre später, gut damit eingerichtet und scheint am wenigsten mit ihrem Alter zu hadern bzw. die entsprechende Schritte zur Verbesserung bereits eingeleitet zu haben. Botox? Warum nicht.

Drei Freundinnen, alle im gleichen Alter, drei unterschiedliche Schicksale, und gemeinsam versuchen sie das, was sich Erwachsenen-Leben nennt, zu meistern. Manchmal etwas infantil und auch ziemlich überzogen (die Handtaschen-Kaugummi-Toiletten-Geschichte!), aber gerade das macht es so unterhaltsam.

Es ist so bildlich und mitreissend geschrieben, dass ich von der ersten Seite an die jeweiligen Bilder im Kopf hatte, von der Probeaufnahme, von dem kleinen Häuschen, von Mann und Kindern.

Häufig wird das Buch kritisiert, die Protagonistin sei selbstsüchtig, undankbar, zickig und nervig und klar könnte man negativ vermerken, dass die Unzufriedenheit der Mädels lediglich jammern auf hohem Niveau ist – und nochmal ja, die Protagonistin nervt damit manchmal auch ein bisschen. Aber was wäre es für eine Geschichte, wenn alle ihr Leben zu schätzen wüssten und glücklich und zufrieden wären? Eine höchst langweilige! Und lesen wollte ich das auch nicht, denn wo bliebe bei ewig eitel Sonnenschein der Reiz?

Aber so, mit all diesen Irrungen und Wirrungen, hat sie mir großen Spaß und gute Laune bereitet.

4 Sterne.

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