Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so

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Sarah Bosetti

Der Titel hat meiner Meinung nach schon fast einen Preis verdient – einfach genial.

Er war für mich auch vorrangig der Kaufgrund und absolut toll, dass es inhaltlich dann genauso weiter geht! Es sind Lebenserkenntnisse über unsere -manchmal etwas merkwürdigen- Maßstäbe und das gelegentliche Scheitern. Witzige, manchmal bösartige, aber auch kluge Gedanken reihen sich aneinander.

*Es ist einfach, alles als „müssen“, als Pflicht anzusehen. Es bewahrt einen vor dem Wollen. Denn vor dem Wollen muss man erst einmal wissen, was man will.

*Resignation ist gemütlicher als Ehrgeiz. Sie ist das Seufzen, das es nie zum ganzen Wort gebracht hat. (welch schöner Satz!)

*Wir haben ein sicheres Leben mit Käfigen für die Löwen, Pillen gegen Krankheiten, Casting-Shows für die Verzweifelten und Bühnen für die Wahnsinnigen – deshalb brauchen wir die Angst nicht mehr. Der Fluchtreflex schläft ein und erwacht in Form von Phobien oder Panikattacken zum neuen Leben.

*Der wahre Sinn des Scheiterns liegt in seiner Existenz. Es ist gut, dass es die Möglichkeit des Scheiterns gibt. Denn es ist der Abgrund, der uns dankbar für die Brücke macht.

So oder so ähnlich knallt die Autorin eine Erkenntnis nach der anderen heraus. All diese Gedanken werden umhüllt von der Story um einer vom Zufall zusammen gewürfelten Silvester-Gesellschaft.

Ohne Freunde (diese hat sie nur wenige Tage vorher wegen eines Unfalles mit einem Kaninchen verloren) muss man eben Zufallsbekanntschaften zur Party einladen, wenn man nicht alleine bleiben will. Und dann feiert man mit den skurrilsten Gestalten: Den Kassierer aus dem Supermarkt, der nur einem Missverständnis zwischen seinen Eltern entsprungen ist, die zufällig wieder getroffene, ehemalige und dann doch nicht Schulfreundin Julia, das frisch verliebte Pärchen und als Kontrast dazu das sich überdrüssig gewordenen Pärchen. Dann noch die ältere Dame vom Pfandflaschen-Rückgabe-Automaten. Sie alle haben eines gemeinsam: sie sind durchschnittlich, in all ihren Facetten.

Selten habe ich so kluge, manchmal schon fast philosophisch anmutende Wahrheiten, gepaart mit gelegentlicher Gehässigkeit, auf eine dermaßen charmante Art serviert bekommen.

„Wir sind alle sehr klug – man merkt es nur nicht so!“ GENAU!

5 Sterne.

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Ein Gedanke zu “Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so

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