QualityLand

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Marc-Uwe Kling

Vorne weg: es gibt eine silberne und eine schwarze Version – silber steht vermutlich irgendwie für den Silberstreif am Horizont, und schwarz spricht für sich selbst. Als Optimist habe ich mich natürlich für die silberne Version entschieden (und weil mich negative Enden meist etwas unzufrieden zurück lassen). Aber man kann das zweite Ende beim Kauf eines der beiden Bücher nachlesen.

Die neue Gesellschaft namens QualityLand wird von Algorithmen optimiert, so dass einfach alles bestens läuft.

QualityPartner vermittelt dir nur einen einzigen Partner – nämlich genau den, der zu dir passt. Rückgaberecht gibt es trotzdem: 14 Tage und kostenloser Ersatz garantiert, falls es mal nicht klappt. Das soll nun sogar auf ein lebenslanges Rückgaberecht ausgeweitet werden.

Alle Produkte, die man möchte, werden – ebenfalls aus Algorithmen generiert – automatisch durch Drohen zugestellt, ohne Bestellung. Auch wenn sich der Empfänger gelegentlich über seinen vermeintlich unbewußten Wunsch wundert.

Selbstfahrende Autos bringen dich nicht nur ans Ziel, sie machen auch small talk und kennen deine Lieblingshits.

Es gibt keine eigenen Entscheidungen mehr, denn sie werden dir vom System abgenommen, in dem du deren vermeintlich nach deinen Wünschen generierten Vorschlag nur mit einer Antwort bestätigen kannst: okay!

Die meisten Arbeiten werden von Maschinen in Form von Androiden ausgeführt.

Alles ist in Levels eingeteilt, egal ob Mensch oder Stadtteil oder Auto. 100 ist das höchste, was niemand erreicht, mit einem einstelliges Level gilt man als Nutzloser. Auch das Sozialleben und alles was dazu gehört spielt sich auf dem eigenen Level ab, die Nachrichten und die Werbung werden auf diesem Niveau für dich zugeschnitten.

Die beste aller Welten, bis ins kleinste Detail für jedermann persönlich optimiert, Zufriedenheit garantiert.

Nun ja, nicht ganz. Es hat sich eine kleine Revoluzzer-Bewegung, die Maschinenstürmer, gebildet, welche sich gegen das System und die Maschinen organisieren.

Ebenso Peter Arbeitsloser (der Nachname wird vom Beruf des Vaters bestimmt), Besitzer eines Gebrauchtwarenladen mit einer Schrottpresse, kommt nicht so wirklich gut klar. Dies mag auch an seinem niedrigen Level liegen – er ist gerade zum „Nutzlosen“ abgestiegen. Ausserdem soll er öfters mal intelligente künstliche Maschinen mit einem Defekt verschrotten, quartiert sie aber aus Mitleid heimlich in seinem Keller ein. Abends unterhält er sich mit diesen ausgemusterten Robotern, die genauso an ihrer künstlichen Intelligenz gescheitert sind wie Peter an seiner natürlichen. Er ist ein Mitläufer, nimmt aus Faulheit alles hin, weil er gar nicht weiter darüber nachdenken will – bis er plötzlich durch eine absolut unerwünschte Lieferung aus seiner Lethargie gerissen wird.

Parallel dazu gibt es noch die Geschichte um den Androiden John of Us, der als Kandidat für die Präsidentschaft antritt (erstaunlich menschlich und auf den gesamtwirtschaftlichen Vorteil und Gerechtigkeit für Alle programmiert) gegen den rechts-ausgerichteten, menschlichen Kandidaten Conrad Koch.

Das klingt alles erstmal unglaublich düster, die Absurditäten brachten mich aber oft auch einfach zum Lachen. Man könnte sagen, lustig überspitzt und dann auch wieder sehr beklemmend. Das System ist eine Art Intellektueller Rassismus, denn ausschliesslich der berufliche und finanzielle Status der Eltern bestimmen das Level. Ausserdem passt das System die Nachrichten, die Werbung, welche du erhältst und dein komplettes Sozialleben an dein Level an. So hat man nicht wirklich Möglichkeiten in der Weiterentwicklung.

Es erinnerte mich an Micro-Sklaven von Douglas Coupland, erschienen 1998. Damals fand ich dieses Buch auch absurd und lustig – inzwischen wurde das Szenario von der Wirklichkeit weit überholt. Hoffentlich passiert uns das hier nicht.

4 Sterne. Lesenswert! Aber nicht nur lustig.

Eine weitere Rezension von LesenInLeipzig findet ihr hier

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