Todesengel

thumb_IMG_5645_1024

Andreas Eschbach

Was passiert, wenn die staatliche Gewaltenteilung Justiz und Polizei ihre Bürger nicht mehr ausreichend schützen kann? Wenn immer die, welche am aggressivsten und in der Überzahl sind, gewinnen?

Oftmals ist das Opfer ein Leben lang gezeichnet, dem stehen Täter gegenüber, die nach 2 Jahren wieder auf freien Fuss sind. Was passiert, wenn dann hier jemand für Recht und Ordnung einschreitet und den Schwächeren hilft – allerdings mit Todesfolge für die Täter? Warum hat es ziemlich sicher juristische Folgen, wenn ich jemanden bei akuter tätlicher Gewalt beistehen will – und wenn ich nichts tue, ist es unterlassene Hilfeleistung?

Ein brisantes Thema, dem sich der Autor hier angenommen hat.

Ein alter Mann wird in der U-Bahn zusammengeschlagen und glaubt, seine letzten Sekunden auf Erden seien gekommen, als er eine weiße, leuchtende Gestalt sieht. Diese Gestalt streckt die beiden Täter mit je einen Kopfschuss nieder und verschwindet wieder. Allerdings hält der ermittelnde Oberstaatsanwalt diese Aussage für reinen Selbstschutz und sieht im Opfer den Täter.

Das wiederum ruft den Journalisten Ingo Praise auf den Plan, der sich schon immer als das „journalistische Sprachrohr der Opfer“ fühlte, alles in allem aber eher mäßig erfolgreich durchs Leben geht. Angesetzt auf das Opfer versucht er, die wahren Hintergründe herauszufinden. Der Polizei ist nicht sehr daran gelegen, die Geschichte mit „ein Engel als Rächer“ öffentlich zu machen und versucht wiederum, den Ruf des Journalisten zu demontieren.

Dieser jedoch bekommt eine TV-Show mit dem Titel „Anwalt der Opfer“ und es entbrennt eine heisse Diskussion über Täter, Opfer, Zivilcourage, Notwehr und Selbstjustiz. Bis es am Ende eskaliert.

Man ist als Leser bei diesem heiklen Thema ständig hin und her gerissen. Einerseits ist man entsetzt über die grundlose Gewalt den Opfern gegenüber und wünscht den Tätern alles Schlechte, andererseits ist völlig klar, dass Selbstjustiz nicht die Lösung ist. Eschbach schafft es mal wieder, eine kontroverse Diskussion anzustossen, in der es am Ende nur Verlierer geben kann.

Am Anfang fand ich es nicht ganz einfach, die unterschiedlichen Personen alle im Kopf zu behalten, da sie noch keine erkennbare Verbindung zueinander hatten. Das machte das erste Drittel des Buches etwas zäh. Aber plötzlich war ich mitten drin und konnte nicht mehr aufhören, weiter zu lesen. Die relativ kurzen Kapitel verleiten dazu, immer noch ein neues Kapitel anzufangen, und noch eines und noch eines, bis die halbe Nacht um ist. Spannend, mitreissend!

4 Sterne.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s