Über mich sprechen wir ein andermal

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Edna Mazya

Ein deutsch-jüdische Familiengeschichte, erzählt über drei Frauengenerationen hinweg.

Sie beginnt im Heute mit Nomi, Besitzerin eines kleinen Verlages in Tel Aviv. Nach einem Bruch in ihrem Leben fährt sie nach Wien zu ihrem langjährigen Freund, einen Theaterregisseur, und hofft dort, in und mit ihm ein neues Zuhause zu finden. Sie erkennt jedoch schnell, dass Kirin nach wie vor ein Egoist ist und kein Interesse an tiefer gehenden Gefühlen hat.

In Wien wird sie an jeder Ecke an ihre geliebte Großmutter erinnert und kurzentschlossen lässt sie sich deren Tagebücher nachschicken. So taucht sie ein in die Geschichte ihrer Großmutter Ruth.

in einer Rückblende wird nun das Leben der Großmutter erzählt, beginnend im Heidelberg der dreißiger Jahre. Ruth ist egoistisch und manipulierend, bisweilen depressiv, unglücklich in ihrer Ehe, mütterliche Gefühle sind ihr fremd, ihre Tochter Anuschka ist ihr lästig und sie versucht, in ihrer Affäre mit Robert ihre Erfüllung zu finden. Doch auch die Affäre währt nicht lange.

Dann setzt sich der Nationalsozialismus stärker durch und Ruth wandert mit ihrer Familie nach Israel aus. Hier begegnet sie Robert kurz wieder, doch sie kommen nicht mehr zusammen. Die gesamte Familie integriert sich nur sehr schwer, lediglich Anuschka versucht sich so weit wie möglich anzupassen.

Mit 16 lehnt sich Anuschka gegen ihre Eltern auf und wendet sich dem Sozialismus zu. Sie findet sich damit ab, dass ihre Mutter immer eine Fremde für sie sein wird. Dann lernt sie in ihrer Partei einen älteren Mann kennen und verliebt sich in ihn – Robert, ohne zu wissen, dass er eine alte Affäre ihrer Mutter ist. Anuschka bekommt ein Kind von ihm, doch auch dieses Elternpaar kann keine Gefühle für ihre Tochter Nomi aufbringen.

Alle drei Frauen haben Probleme mit den eigenen, gefühllosen Müttern und übertragen diese wiederum auf ihre Töchter. Sie alle haben ihre schönen und weniger schönen Seiten, aber man versucht, ihr Handeln mit Sicht auf die jeweilige Situation zu verstehen. Der Hang zur unglücklichen Liebe zu selbstverliebten Männern zieht sich durch alle Generationen. Wirklich interessant ist die Verwandlung von Ruth, sie wird im Laufe der Geschichte von der ungeliebten Mutter zur über alles geliebten Großmutter.

Obwohl sie alle nicht wirklich glücklich in ihrem Leben werden, ist die Geschichte für den Leser trotzdem niemals wirklich deprimierend – das ist eine echte Meisterleistung der Autorin.

Ein großartiges Buch, eine packende Geschichte, erzählt in einer wunderbaren Sprache. Aber wahrlich keine leichte Kost.

5 Sterne. Sehr empfehlenswert.

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