Bella Germania

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Daniel Speck

Das ist eines dieser Bücher, von denen man die ersten 30, 40 Seiten liest und dann genau weiss, was man die nächsten Tage machen wird: lesen! Man überlegt noch kurz, welche Dinge man verschieben könnte um mehr Zeit zu haben und liest und liest und liest. Einfach großartig!

Das zentrale Thema sind die italienischen Gastarbeiter und deren Familien, welche in den fünfziger und sechziger Jahren von Deutschland angeworben wurden, deren Erwartungen, Träume und was sie tatsächlich daraus machen konnten. Es geht um eine Familie, die man als Leser mehr als ein halbes Jahrhundert begleitet, um die kulturellen Unterschiede und um deren innere Zerrissenheit mit dem ewigen Gefühl, nirgendwo richtig dazu zu gehören. Die tatsächliche Geschichte beginnt in den fünfziger Jahren in Mailand und endet in der heutigen Zeit in München.

Die Erzählung ist in Zeitsprüngen zwischen heute und damals verfasst, so dass man beiden parallel folgt, was es umso spannender macht.

Julia hat in 2014 zum ersten Mal in Mailand eine Modenschau mit ihrem eigenen Label und erhofft sich davon ihren beruflichen Durchbruch. Am Ende der Modenschau wird sie von einem älteren Herrn angesprochen, der sich als ihr Großvater vorstellt. Vaterlos, nur bei ihrer Mutter aufgewachsen, ist sie erstmal sehr skeptisch. Doch dann lässt sie der Gedanke, dass ihr totgeglaubter Vater doch noch irgendwo lebt und sie eine erweiterte Familie hat, nicht mehr los und sie macht sich auf den Weg, das Geheimnis um ihre Herkunft zu lüften.

In ihrer Vergangenheit findet sie Vincent, ein junger, alleinstehender Kriegsflüchtling, der Mitte der fünfziger Jahre mit dem Motorrad beruflich nach Mailand reist. Dort lernt er Giulietta kennen, eine Sekretärin, die für ihn die Übersetzung übernimmt. Trotz Liebe auf den ersten Blick ist in der damaligen Zeit eine Verbindung zwischen einer Italienerin und einem Deutschen undenkbar.

Giuliettas Bruder Giovanni kommt als Gastarbeiter nach München, später folgt Giulietta mit ihrem Sohn Vincenzo, als sie es endlich wagt, ihren italienischen Ehemann zu verlassen. In München trifft sie Vincent wieder – allerdings ist er inzwischen verheiratet und seine Frau hochschwanger. In der Generation danach trifft Julias Mutter auf Vincenzo, doch wieder scheitert die Beziehung an den kulturellen Unterschieden.

Eine vom Schicksal gebeutelte Familie. Julia, auf der Suche nach ihren Wurzeln, trägt das Erbe all dieser Menschen in sich. Dabei hat sie selbst große Probleme, herauszufinden, wer sie wirklich ist und wo sie steht.

Als Leser lernt man das Geschehen aus verschiedenen Sichtweisen kennen und kann sich so in die einzelnen Personen gut hineinversetzen. Eine ganz besondere Familiengeschichte! Sie hat mich, einmal begonnen, nicht mehr los gelassen, bis zur letzten Seite. Packend, dramatisch, spannend.

5 Sterne. Absolut empfehlenswert.

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