Gretchen

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Einzlkind

Ein wunderbarer Roman über eine 75jährige Grand Dame der Theater-Gesellschaft.

Gretchen ist versnobt, zickig, selbstherrlich, sehr direkt und gefürchtet. Nach einem abwechslungsreichen Leben an Theatern überall auf der Welt möchte sie sich nun in London niederlassen.

Durch einen kleinen Zusammenstoß mit einem Auto, Alkohol und einer Polizistin wird sie – ihrer Meinung nach natürlich völlig zu unrecht – für 4 Wochen auf eine Vulkaninsel vor Island verbannt. Dort soll sie zusammen mit den Inselbewohnern ein Theaterstück inszenieren. Der Richter, bekannt für seine unkonventionellen Urteile,  brummt ihr das als erzieherische Maßnahme auf.

In den ersten Kapiteln lernen wir beides unabhängig voneinander kennen: Gretchens Leben in London und die verschrobenen Menschen auf der isländischen Insel Gwynfaer.

Die Menschen auf der Insel sind speziell und ebenso verrückt in ihrer Art wie Gretchen. Gleich nach ihrer Ankunft wird ihr der junge Kyell als persönlicher Assistent für die Zeit auf der Insel zugeteilt. Er hat die Insel noch nie verlassen und kennt das Leben am Festland nur aus Erzählungen seines Freundes Tule. Gretchen begegnet er zurückhaltend und trotzdem ohne der von ihr gewohnten Unterwürfigkeit. Sie bleibt ihm gegenüber (und allen anderen) gnadenlos ignorant.

Gretchen ist ein kleines Miststück, die sich ohne Sarkasmus überhaupt nicht unterhalten kann. Und das ist für sie weniger Sarkasmus als einfach nur ihre Wahrheit, sie meint das vollkommen ernst.

Im Laufe ihres Aufenthaltes trifft sie auf viele unterschiedliche Menschen, was in äusserst lustige Gedankenwelten oder auch sprachlichen Schlagabtausch mündet – einfach nur grossartig! Zum Ende hin zeigt sie dann aber doch gelegentlich einen ungewollten, klitzekleinen Hauch von Mitgefühl.

Das einzige, was mich persönlich etwas gestört hat, sind die oftmals ellenlangen Absätze, die fast über eine ganze Seite gehen. Das finde ich zum Lesen etwas anstrengend.

Aber sonst ein absolut tolles Buch der sprachlichen Feinheiten, ironisch, sarkastisch, bissig, überheblich, lustig – jedes Kapitel macht unglaublichen Spass.

Das Ende ist überraschend, passt aber auch irgendwie zu Gretchen.

5 Sterne. Sehr empfehlenswert.

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